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Los geht's

Mit dem Fernbus durchs Land

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Einleitung

Ob nach Paris, Amsterdam, München oder Berlin – immer mehr Deutsche nutzen Fernbusse, um an ihr Ziel zu kommen. Ein Grund dafür ist die Liberalisierung des Fernbus-Marktes. Seit Anfang 2013 dürfen Fernbusse aller Anbieter Fahrgäste auch innerhalb Deutschlands transportieren. Zuvor lag das Monopol mehr als 70 Jahre bei der Deutschen Bahn.
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Ich bin neugierig: Wie reist es sich mit diesem für die Deutschen recht neuen Verkehrsmittel? Ich wage mich gleich an eine Langstrecke. Um Freunde in Hamburg und Berlin zu besuchen, buche ich innerhalb von acht Tagen drei Fahrten: von München nach Hamburg, von Hamburg nach Berlin und von Berlin wieder zurück nach München.
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1. Etappe: München–Hamburg

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Während meiner Studienzeit und auch danach habe ich unzählige Stunden in südamerikanischen, asiatischen, karibischen und afrikanischen Bussen verbracht. Busfahren schonte das Budget. Außerdem gehörte es zur Reiseerfahrung dazu, viel Zeit mit anderen Reisenden und Einheimischen samt trashiger Actionfilme, Karaokevideos in Endlosschleife und manchmal sogar dem ein oder anderen Federvieh zu verbringen. Die längste Busfahrt, an die ich mich erinnern kann, dauerte 35 Stunden.

Dieses Mal reise ich „nur“ knapp 12 Stunden, dafür tagsüber. „Du spinnst“, sagten einige Freunde.
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Ich habe meine Freundin Elena gefragt, ob sie sich eine Fahrt mit einem deutschen Fernbus vorstellen kann. 

In Argentinien war sie einmal 32 Stunden in einem eiskalten Bus unterwegs. Seither ist sie vorsichtig geworden ... 

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1. Was sind das für Leute, die sich freiwillig fast zwölf Stunden in einen Bus setzen, wenn man mit dem Zug etwas mehr als die Hälfte der Zeit braucht und mit dem Flugzeug in einer Stunde in Hamburg sein kann?

2. Wie viele Bücher kann ich in elfeinhalb Stunden lesen?
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Als Mutter von zwei Kindergartenkindern freue ich mich auf viel freie Zeit. Ich nehme mir vor, hauptsächlich das zu tun, was sonst eher zu kurz kommt: lesen. Sicherheitshalber habe ich drei Bücher und viel zu essen eingepackt.
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Busfahrer Manfred: „Warum können die Straßen nicht jeden Tag so frei sein?“

Fünf Minuten später erzählt er seinem Kollegen Mensur den ersten Witz.

Genau so habe ich mir Busfahrer vorgestellt.
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Manfred fährt seit über 20 Jahren schwere Fahrzeuge. Zuerst Bus, dann wechselte er ein paar Jahre zum Lastwagen und nun wieder Bus.

Neben der Linie München-Hamburg für den Anbieter fährt er auch Schulkinder, Reisegruppen oder bringt Mitarbeiter großer Unternehmen zur Arbeit. Auch bei Verspätungen bleibt er entspannt.
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Mensur ist Manfreds Kollege. Er entspannt sich auf einem Sitzplatz, denn er hat noch Pause.

Erst in vier Stunden, ungefähr nach halber Fahrtzeit, wird er in Halle an der Saale Manfred ablösen.

So teilen sich die Fahrer die Strecken, um die gesetzlichen Ruhezeiten einzuhalten.

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Der Bus ist mit 48 Personen durchgehend voll besetzt. Allerdings fahren die wenigsten Passagiere die gesamte Strecke nach Hamburg.

Die einzelnen Stationen sind:

München–Nürnberg–Halle (Saale)–Magdeburg–Braunschweig–Hamburg
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Das chinesische Studentenpärchen, das im Gang gegenüber sitzt, schießt – ganz dem Klischee entsprechend – viel mehr Fotos als ich.

Das wundert mich trotzdem ein wenig: Denn während es beispielsweise in Südamerika ziemlich viel zu sehen gibt, sind deutsche Autobahnen in puncto Ausblick keine Offenbarung.
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Mensur übernimmt nun das Steuer. Sein Kollege Manfred hat gerade den Bus verlassen und nimmt seine Pause. Danach wird er von einem Kollegen aufgesammelt und fährt zurück nach München.

Bis zum Zielpunkt Hamburg fährt Mensur alleine. Dort übernachtet er und fährt am nächsten Tag eine Tour nach Halle. Dort wird er wieder von einem Kollegen abgelöst.
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Mensur hat vergessen, in Halle den Pausenknopf zu drücken. Da er entweder 45 Minuten am Stück oder einmal 15 Minuten und einmal 30 Minuten Pause machen muss, haben wir in Magdeburg außerplanmäßig 15 Minuten länger Aufenthalt.

Er lädt mich auf einen Tee im Bahnhofskiosk ein. Dort kennt man sich: „Einen kleinen Kaffee wie immer?“
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Eine Reise mit Kleinkind kann ein Abenteuer sein. In Magdeburg finden Tatjana (29),  Peter (32) und Max (2) zunächst nicht genug Platz. Scheinbar wurde der vom Busunternehmen gestellte Kindersitz nicht als extra Sitzplatz gebucht. Mensur telefoniert mit der Zentrale und ich siedle auf den Beifahrersitz über, mein Platz wird frei – Problem gelöst!

Die knapp 100 Kilometer lange Strecke von Magdeburg nach Braunschweig lässt sich gut mit Kleinkind fahren, sagt Mutter Tatjana. Meist schläft Max – oder er schaut sich um.
  

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War in Bayern die Autobahn noch leer, wurde schon ab Halle der Verkehr immer dichter. Ein paar Mal stockt es, doch wirklich im Stau stehen wir nie. Zumindest nicht auf der Autobahn.

Im Hamburger Feierabendverkehr sieht es da schon anders aus und so kommen wir am Ende mit einer halben Stunde Verspätung in Hamburg an.
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Die Busfahrer waren sehr nett und der Panoramablick aus der Frontbusscheibe war am Ende doch gar nicht so schlecht.

Die letztendlich 12 Stunden Fahrt waren wirklich schnell vorbei. Geschafft habe ich immerhin ein halbes Buch.

Ich war die ganze Zeit damit beschäftigt, mich zu unterhalten, Fotos und kurze Videos zu machen.

Wie ging es den anderen Mitreisenden?



 


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Sabine ist auf der Rückreise von einem Besuch bei ihrem Sohn in München.

Sie findet Busfahren angenehm und bequem, erzählt sie mir bei einer kurzen Pause auf einem Rastplatz.

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Bernardo kommt aus Albanien und möchte in Deutschland einen Job finden: „Aber zuerst muss ich die Sprache noch besser lernen.“ Ein Großteil seiner Familie lebt ebenfalls in Deutschland.

Bernardo ist von München bis zur vorletzten Haltestelle Braunschweig gefahren, wo er seinen Cousin besucht.

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2. Etappe: Hamburg–Berlin

Nach dem Besuch meiner Freunde in Hamburg geht es weiter Richtung Berlin.
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Damit die Busse schneller abgefertigt werden können, helfen Mitarbeiter wie die 26-jährige Mareike den Busfahrern beim Kontrollieren der Tickets.

Auch dieser Bus ist bis auf den letzten Platz ausgebucht.

Jetzt geht es direkt und ohne Pause ans Ziel.
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Frank ist gebürtiger Berliner und fährt die Strecke Berlin–Hamburg täglich hin und her. Landschaftlich ist die Fahrt ziemlich unspektakulär. Das kann manchmal ein bisschen langweilig werden: „Ich fahr eigentlich immer eine gerade Linie, nicht so wie ein Känguru, das dauernd die Spur wechselt.“

Deshalb freut sich Frank über Unterhaltung aus der ersten Sitzreihe.

Direkt hinter Frank sitzt zum Glück der 67-jährige Eckhardt, der auch sehr an einem Gespräch interessiert ist.
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Eckhart ist nicht nur für Frank ein guter Gesprächspartner, auch ich unterhalte mich gern und ausführlich mit ihm – auch darüber, wie er zu seiner ersten Fernbusfahrt gekommen ist.

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Um 12 Uhr kommt eine Frau nach vorn und kauft ein Getränk und Süßigkeiten. Später kauft ein junger Mann eine Runde Bier für seine Mitfahrer.

Die meisten Busfahrer bieten diesen Service. Genutzt wird er allerdings eher selten. Dafür landet hin und wieder Trinkgeld in dem kleinen Minibus – vor allem, wenn jemand regelmäßig fährt, wie der Fahrgast zu Bauabnahmen nach Hamburg, erzählt Busfahrer Frank.

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Frank hat gleich zwei Geschichten auf Lager: „Heute Morgen in Berlin kommt eine Frau auf mich zu und sagt: ,Hören Sie, wir haben jetzt schon drei Minuten Verspätung. Sie bringen meinen ganzen Plan durcheinander.' Sie hatte in Hamburg einen zu knappen Anschluss gebucht. Wer so plant, dem ist leider nicht zu helfen.“

Eine andere Passagierin, wollte ihre Doktorarbeit im Bus schreiben. Deswegen sollten die Fahrgäste ganz still sein ... 

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Dieses Mal habe ich gar nicht erst versucht, ein Buch zu lesen. Mit Frank und Eckhart verging die Zeit sehr schnell.
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In Berlin besuche ich meinen Freund Simon. Simon kennt Fernbusse ebenfalls aus dem Ausland, in Deutschland ist er noch nie gefahren.

Er findet, dass Fernbusse viele Vorteile haben – aber auch Nachteile. 

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3. Etappe: Berlin–München

Die Haltestellen:
Berlin–Potsdam–Leipzig–Rudolphstein–Hof–Bad Berneck–Bayreuth–Neudorf bei Pegnitz–Nürnberg–Greding–Ingolstadt–München

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Fast fünfzig Jahre lang dämmerte der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) vor sich hin. Doch durch den Fernbus-Boom hat er seine Kapazitätsgrenze mittlerweile um mehr als das Doppelte überschritten. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen auf den 37 Halteplätzen.
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So nett die ganzen Gespräche der anderen beiden Fahrten mit Busfahrern und Mitfahrern waren, dieses Mal hab ich eher Lust auf eine ruhige Fahrt. Im Berlin Linien Bus, einer Tochtergesellschaft der Bahn, ist das nicht schwer.

Wir starten nur zu zehnt, acht Frauen und zwei Männer, und haben viel Platz. Ursprünglich waren 16 Passagiere gebucht. Da die Tickets bei Berlin Linien Bus in der Regel flexibel buchbar sind, kommt es häufig vor, dass die Passagiere einfach an einem anderen Tag fahren.

Ich widme mich meinen Büchern. Und spreche mit den beiden Busfahrern Rainer und Achim.



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Rainer ist sehr um seine Fahrgäste bemüht, fragt während einer Pause nach der Temperatur im Bus und bringt Getränke. Er und sein Kollege Achim kochen während der Pausen auf den langen Fahrten, wie zum Beispiel von Berlin nach Bad Birnbach, sogar Würstchen und kennen die meisten Fahrgäste auf dieser Strecke mittlerweile persönlich.

Wie viele Kilometer fährt ein Busfahrer eigentlich im Jahr?

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Rainers Kollege Achim hilft beim Einladen in Berlin. Dann steigt er zu einem Kollegen ein, der die Strecke nach Bayreuth fährt. Auf einem Rastplatz wechselt Achim in unseren Bus und löst Rainer ab. In Hof steigt er wieder aus und Rainer fährt nach dieser Pause die restliche Strecke bis nach München. 

Am liebsten fährt Achim aber eine andere Route. 

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In Bayreuth war eine ältere Dame ohne Ticket zugestiegen. Eigentlich sollte sie ihr Ticket bis 30 Minuten vor Abfahrt telefonisch bei der Zentrale buchen. Aber es ging ausnahmsweise auch vor Ort. 

In Nürnberg verabschiedet sich eine andere Dame beim Kofferabholen ganz herzlich von Busfahrer Rainer: „Sie sind wirklich gut gefahren. Vielen Dank!“
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Schon vor der Reise hatte mich diese Frage beschäftigt. 

Deswegen habe ich auf meinen Fahrten mit drei Personen gesprochen, die es eigentlich wissen müssen: zwei Mitreisende mit viel Fernbus-Erfahrung und Busfahrer Rainer. 
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Heute sei das Publikum eher jünger, meint er – und erinnert sich daran, wie es war, als er vor dem Mauerfall von Berlin ins Harzgebirge gefahren ist. 

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Adrian kommt gerade mit dem Fernbus aus dem Urlaub und wartet am Münchner ZOB auf seinen Anschluss in die fränkische Heimat.

Im Vergleich zu griechischen und kroatischen Bussen geht es seiner Meinung nach in Deutschland sehr geordnet zu.



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„In den Semesterferien sind immer viele Studenten unterwegs, aber sonst auch sehr viele ältere Menschen. Wenn man eine kleine Rente hat, dann kann man sich den Fernbus ganz gut leisten.

Leute mit Kindern treffe ich eher nicht im Bus, vielleicht ist die Fahrt zu lang, wenn man Kinder hat.“
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Für insgesamt 72 Euro bin ich einmal durch die Republik und zurück.

Für mich sind die Fernbusse eine echte Alternative zu Flieger, Bahn, Mitfahrzentrale und eigenem Auto. Es war günstig, bequem, unterhaltsam und ganz bestimmt nicht langweilig.

Ein bisschen mehr Zeit sollte man auf den längeren Strecken aufgrund der Zwischenstopps allerdings mitbringen. Auf meiner Reise habe ich die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt. Einen typischen Fahrgast habe ich allerdings nicht getroffen.

Und: Insgesamt habe ich zwei Bücher geschafft.
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Impressum

Idee und Konzept: Andrea Gehwolf

Fotos, Videos, Audios, Text: Andrea Gehwolf

Redaktion: Corinna Mayer, Ula Brunner

Produktion: redaktion.brunner
  
Video- und Tonnachbearbeitung: Ivo Smolak

Technische Umsetzung mit Pageflow: Corinna Mayer

Überarbeitung: Ula Brunner

© Goethe-Institut


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